12.10.2015
Bronzemedaille für Matthias Penzlin bei der EM Feldbogen

Eine gigantische Leistung lieferte Matthias in Rzeszow /Polen ab, und zwar durchgehend vom 5. bis 10.10.2015.



Nach einem Akklimatisierungstag mit Eröffnungsfeier und Training ging es am Dienstag, den 6.10. direkt los mit der 1. Qualifikationsrunde à 24 Scheiben, dem Durchgang mit unbekannten Entfernungen. Entfernungen zu schätzen, liegt Matthias besonders gut. Er startete denn auch gleich mit sehr guten Schüssen, bei den ersten Zwischenergebnissen hatte er sich schon auf den 12. Platz von insgesamt 27 angetretenen Blankbogenschützen geschossen. Nach 57 Pfeilen konnte er sogar kurzzeitig den 2. Platz einnehmen. Den Gesamt-Durchgang schloss er dann auf dem 7. Platz mit 349 Ringen ab. Eine wirklich klasse Ausgangsposition, um unter die ersten 16 zu kommen, die sich für die K.O-Runden qualifizieren würden. Am Mittwoch, beim 2. Qualifikationsdurchgang, der bekannten Runde mit weiteren 24 Scheiben, konnte Matthias seine Position kontinuierlich verteidigen. Er schwankte bei den Zwischenergebnissen lediglich zwischen dem 7. und dem 12. Platz. Und so konnte er sich am Abend über insgesamt 305 Ringe und einen fabelhaften 12. Platz freuen. Und das trotz komplizierter Umstände: Der Parcours war ursprünglich so eng gestellt, dass die Kampfrichter mehrere Scheiben versetzten, da sie eine Gefährdung der Teilnehmer darstellten. Jedoch mit mäßigem Erfolg. Einige Schützen weigerten sich dennoch zu schießen, da immer noch plötzlich andere Schützen in die Schusslinie liefen. Schwierigkeiten, die Matthias zum Glück nicht aus der Ruhe gebracht hatten. Beide Runden zusammengerechnet sicherten ihm einen hervorragenden 10. Platz, der ihn für die kommende Ausscheidungsrunde qualifizierte.



Donnerstag dann der spannungsgeladene Tag. Konnte Matthias seine fabelhafte Form halten, hatte er zusätzlich noch Nerven wie Drahtseile und war in der Lage, seinen guten Platz zu verteidigen, bzw. zu verbessern. Er konnte! In der 1. Ausscheidungsrunde der besten 16 Schützen, in der nur noch auf 12 Ziele je 3 Pfeile geschossen wurde, war er weiterhin souverän 10. nach 18 Pfeilen. Nach 27 Pfeilen konnte er sich auf den 4. Platz vorarbeiten und schloss diese Runde mit fantastischen 169 Ringen auf dem 3. Platz ab, nur 3 Ringe hinter dem Erstplatzierten.


In der 2. Ausscheidungsrunde, jetzt nur noch mit 8 Scheiben, lag Matthias nach 18 Pfeilen auf einem grandiosen 4. Platz. Würde er diese Position halten können, wäre das nicht nur ein spektakulärer Erfolg, er hätte sich auch für die Finalrunden der letzten Vier qualifiziert. Am Schluss belegte er mit sagenhaften 109 Ringen, nur 2 Ringe hinter dem Ersten, den 3. Platz, den er sich jedoch durch ein „Shootout“ mit einem Pfeil pro Schütze auf 50 Meter hart erkämpfen musste, da sich insgesamt drei Teilnehmer mit 109 Ringen qualifiziert hatten. Wo nahm er nur diese Coolness her, bei seiner ersten Europameisterschaft einen derartigen Durchmarsch hinzulegen? Unglaublich! Da konnte man nur den Atem anhalten, wie es weitergehen würde.


Das Halbfinale ging jetzt nur noch über 4 Scheiben. Jetzt traf er auf den Finnen Timo Leskinen. Obwohl Matthias mit 52 Ringen das gleiche Ergebnis schoss wie der Gewinner des anderen Halbfinal-Duells, scheiterte er am großen Finaleinzug, weil ihn der spätere Goldmedaillengewinner Timo Leskinen mit 2 Ringen besiegte. In diesem Moment vielleicht ein wenig ärgerlich, so knapp der Chance auf ein Goldfinale entgangen zu sein, im Großen und Ganzen aber jetzt schon ein phänomenaler Erfolg, auf den Matthias mehr als stolz sein konnte.


Aber bevor es zu dem entscheidenden Duell um Bronze kommen sollte, standen die Team-Wettbewerbe an. Ein Team setzt sich aus einem Compound-, einem Recurve- und einem Blankbogen-Schützen zusammen, das deutsche Team bildeten Henning Lübkemann, Sebastian Rohrberg und Matthias Penzlin. Auch hier lief es hervorragend. Souverän kämpften sie sich unter die ersten Acht und gewannen auch das Viertelfinal-Match gegen Spanien. Im Halbfinale unterlagen sie jedoch dem späteren Goldmedaillengewinner Schweden. Aber die Chance auf die Bronzemedaille spornte die drei Schützen noch einmal ordentlich an. In einem spannenden Kampf unterlag das deutsche Team allerdings der italienischen Mannschaft mit nur einem Ring. Ein Ring, der leider den undankbaren vierten Platz bedeutete. Aber auch wenn der deutschen Mannschaft dieses Mal die Bronzemedaille durch die Lappen ging, ist ein vierter Platz bei 11 tollen europäischen Teams doch ein mehr als beeindruckender Erfolg.


Der 10.10., der letzte Tag der Europameisterschaft, begann für Matthias erst einmal mit einem Sondertraining. Da Bundestrainer Peter Lange und Team-Kamerad Henning Lüpkemann im Mannschaftsfinale ein Schießfehler bei Matthias aufgefallen war, widmete sich Henning ca. 2 Stunden lang der Beseitigung dieses Fehlers. Im Anschluss standen die kleinen und großen Einzel-Finale auf dem Programm. Für Matthias bedeutete das, nach einer sehr anstrengenden Woche noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren und alle Konzentration zu sammeln, um den Serben Károly Koroknay zu schlagen und die Bronzemedaille zu ergattern. Und Matthias wollte es noch einmal richtig spannend machen. Das Duell ging über 4 Scheiben à 3 Pfeile. Nach der ersten Scheibe stand es unentschieden, beim zweiten und dritten Ziel legte der Serbe ordentlich vor und Matthias lag 6 Ringe zurück. Eine wirklich schwere Aufgabe, diesen Kampf noch herumzureißen. Aber da zeigte es sich wieder, dass vor dem letzten Pfeil gar nichts entschieden ist, und dass Matthias wirklich einen eisernen Willen hat. Konzentriert schoss er eine 6, eine 5 und eine 3, somit insgesamt 49 Ringe, der Serbe dagegen zeigte Nerven, musste sogar ein „M“ (Mistake) hinnehmen und damit auch den unleidlichen 4. Platz mit 46 Ringen.


Eine Woche mit körperlich harter und mentaler Höchstleistung gekrönt von einer unglaublichen Belohnung: Bronze bei der Europameisterschaft im Feldbogen! Herzlichen Glückwunsch, Matthias!


Iris Schümann