03.05.2015
Amerika-Runde in Schwarzenbek

10 Schützen aus Hamwarde hatten sich fürs Turnier beim Nachbarverein angemeldet und voller Vorfreude machten wir uns am 3. Mai morgens auf den Weg. Die Schwarzenbeker Bogenschützen hatten bestes Wetter für ihre Amerika-Runde geordert: sonnig, nicht zu warm und nicht zu kalt. Leider wurde bei der Bestellung vergessen, das Kreuzchen bei „kein Wind“ zu setzen. So blies uns dann eine mehr als steife Brise auf der Bartelsdorfer Wiese entgegen, die uns so manches Mal beim Zielen aus dem Gleichgewicht brachte. Aber wir sind von unserer Trainingswiese ja auch einiges gewohnt. So kamen wir im Schnitt ganz gut damit zurecht.
Bei der Amerika-Runde werden von den Blankbogenschützen je 30 Pfeile auf 40, 30 und 20 Yards geschossen, die Recurve- und Compound-Schützen schießen 60, 50 und 40 Yards, die Schüler je nach Alter kürzere Entfernungen. Insgesamt können also 900 Ringe erreicht werden. Da die Auflagen 122 cm groß sind, erliegen viele der irrigen Annahme, bei so einem großen Gold könne man die Zehn ja nicht verfehlen. Aber leider strahlt das Gold so dermaßen, dass man die Mitte irgendwie nicht findet. Also eine Herausforderung der erstaunlichen Art.
Nach der herzlichen Begrüßung starteten wir mit den Probepfeilen auf die längste Entfernung. Für den jungen Jonathan war es das erste Turnier überhaupt. Dementsprechend nervös war er denn auch. Ich konnte das gut nachempfinden. Ging es mir doch vor zwei Jahren bei diesem Turnier als Anfänger ganz genauso. Aber Jonathan schlug sich gut und wurde am Ende Fünfter mit beachtlichen 603 Ringen bei den Schülern B, die zweimal 25 und einmal 15 Yards schießen mussten.
Auch Patrick stand vor einer neuen Herausforderung. Er war altersmäßig in diesem Jahr in die Klasse Schüler A gerutscht und musste eine für ihn neue, weitere Entfernung, nämlich 30 Yards, schießen. Aber auch er fühlte sich schnell in die ungewohnte Situation ein, steigerte sich im 2. und 3. Durchgang über 25 und 15 Yards noch und erreichte am Schluss den 2. Platz mit 703 Ringen.
Tobias konnte souverän sein Können abrufen und wurde mit 751 Ringen in der Schützenklasse der Blankbogenschützen verdient Erster. Werner war mit seiner Leistung zufrieden. Er erreichte den 6. Platz bei den Recurve-Senioren, und zwar mit 498 Ringen. Steffen ist ja nun auch noch nicht lange dabei. Von der Bogenschieß-Leidenschaft seines Sohnes Patrick angesteckt, hatte er viel trainiert und konnte mit tollen 698 Ringen den 4. Platz belegen. Ich war ebenfalls mit meiner Leistung zufrieden. Das Leistungstief, das ich seit letztem Sommer durchleben musste, habe ich jetzt wohl langsam hinter mir gelassen. Es geht merklich bergauf. Das Ergebnis des letzten Jahres bei der Schwarzenbeker Amerikarunde konnte ich zwar noch nicht wieder erreichen, 58 Ringe fehlten mir, aber mit 700 Ringen konnte ich mir trotzdem den ersten Platz bei den Blankbogenaltersdamen sichern.
Hubert, Matthias und Uwe gingen wieder mal locker an die Sache heran und schossen ein super Turnier. Hubert in der Seniorenklasse wurde mit brillanten 790 Ringen Erster, Uwe gleich hinter ihm Zweiter mit 742 Ringen. Hartmuth wurde in dieser Klasse Dritter mit 698 Ringen. Damit war er nicht unbedingt glücklich, aber er hatte auch Probleme mit seinen naturbefiederten Pfeilen, die der starke Wind gern mal davontrug.
Matthias war wieder einmal überragend und belegte mit sagenhaften 858 Ringen und weitem Abstand zum nächsten den 1. Platz bei den Altersherren. Zudem konnten Matthias, Hubert und Uwe in der Mannschaftswertung alle überrunden und erreichten mit grandiosen 2390 Ringen den ersten Platz - sogar vor Recurvemannschaften.
In diesem Jahr hatten sich die Schwarzenbeker Ausrichter eine interessante Neuerung einfallen lassen. Als Abschluss sollten die besten 16 Schützen ein finales Schießen auf 20 Yards gegeneinander austragen, um den besten Schützen des gesamten Turniers zu ermitteln. Qualifiziert hatten sich von Hamwarde am Ende Matthias, Hubert, Uwe, Tobias und Patrick. Die jeweiligen Duelle wurden per Los bestimmt. Patrick verzichtete auf eine weitere Teilnahme, somit hatte sein Gegner schon gewonnen.
Das Los war den Hamwarder Schützen leider nicht gut gesonnen: In der ersten Runde musste Hubert gegen Matthias schießen. Matthias gewann dieses Duell mit 30 zu 29 Ringen und war eine Runde weiter. Auch Uwe und Tobias gewannen ihre Duelle und kämpften sich in die nächste Runde. Und wieder entschied sich das Los für das Zusammentreffen zweier Hamwarder Schützen. Dieses Mal musste Uwe gegen Matthias antreten. Beide schossen ihre ersten beiden Pfeile wie in einem Pulk zusammen in die Zehn. Die Spannung war riesengroß. Den letzten Pfeil setzte Matthias so, dass man von der Schießlinie nicht genau sagen konnte, ob er in der 9 oder der 10 steckte. Uwe schoss eine 9. Alle stürmten an die Scheibe: Matthias hatte die 10 noch angekratzt, er war also weiter und Uwe war ausgeschieden.
Tobias konnte in seinem Duell gegen Jennifer Heß, zweimalige deutsche Meisterin und Rekordhalterin im Behinderten-Recurveschießen, nach 3 Pfeilen ein Unentschieden erreichen. Beide gingen ins Stechen, das bedeutete, jeder schoss noch einen Pfeil. Die Spannung stieg und die Nerven flatterten. Die beiden Pfeile flogen auf ihr Ziel zu, und… beide landeten in der Neun - wieder ein Unentschieden. Unglaublich, was die Schützen für eine Anspannung und Nervosität aushalten und trotzdem dabei zu Ruhe und Konzentration finden mussten. Also ein erneutes Stechen. Wieder flogen zwei Pfeile – und beide landeten in der Zehn. Unfassbar. Dieses Mal wurde das Stechen allerdings vom Ausrichter für beendet erklärt. Gewonnen hatte der Pfeil, der dem Zentrum am nächsten war: und das war Jennifers. Tobias war also raus.
In der nächsten Runde schoss Matthias gegen einen jungen Recurver. Wiederum gewann Matthias dieses Duell. Auch Jennifer gewann. Das absolute Finale hieß also Jennifer Heß gegen Matthias. Jennifer wollte gern mehr Platz für sich und ihren Rollstuhl, so schossen die Finalisten auf zwei Scheiben.
Alle Turnierteilnehmer drängten sich eng um die beiden Schützen und wollten den besten Blick auf die Schießenden und ihre Scheiben ergattern. Der Druck und die Anspannung der Schützen mussten immens sein. Matthias jedoch merkte man nicht das Geringste an. Locker und entspannt, so wirkte es auf die Zuschauer, begab er sich an die Schießlinie. Die Finalisten schossen ihren ersten Pfeil. Beide landeten in der Zehn. Die Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Auch der jeweils zweite Pfeil erreichte die Zehn. Alle Hamwarder drückten Matthias ganz fest die Daumen. Gelassen wartete dieser ab, bis Jennifer ihren letzten Pfeil geschossen hatte: eine 9. Jetzt kam es darauf an. Wir hielten den Atem an und Matthias schoss: eine Zehn. Der Jubel war riesig. Matthias hatte als Blankbogenschütze das gesamte Turnier gewonnen. Chapeau!
Nach der Siegerehrung, bei der es wieder tolle selbst gefertigte Holzarbeiten gab, traten wir in bester Laune den Heimweg an. Und wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!


Iris Schümann