Hartes Training lag hinter Matthias Penzlin, als er am Sonntag, den 25.9. in Irland landete. Hartes Training, um sich überhaupt für die Weltmeisterschaft in Dublin zu qualifizieren, und dann noch härteres Training, um bei der Weltelite des Feldbogensports mitmischen zu können. Das Material war perfekt abgestimmt und das Wetter versprach zumindest erst einmal keinen Regen. Dann sollte ja eigentlich nichts mehr schiefgehen.
Aber wie immer kommt es anders, als man denkt. Nach 2 Trainingstagen, an denen sich alle Schützen schon einmal auf Irlands malerische, aber auch raue Umgebung mit starken Winden einstellen konnten, ging es endlich los mit der Weltmeisterschaft Feldbogen. Für die Qualifikation galt es an zwei Tagen je einen Parcours von 24 Scheiben mit je 3 Pfeilen zu bewältigen. Die unterschiedlich großen Feldbogenauflagen haben eine Höchstwertung von 6 Ringen, also kann pro Scheibe die maximale Ringzahl von 18 erreicht werden. Bei diesen beiden Runden, einmal unbekannte, einmal bekannte Entfernungen, musste Matthias, um sich für die Ausscheidungsrunden zu qualifizieren, unter die ersten 16 Schützen kommen.
Matthias startete in der Klasse Blankbogen Herren mit der unbekannten Runde. Hochgradig motiviert ging er immer wieder seinen Schussablauf durch und sammelte vollste Konzentration. Als der Wettbewerb startete, liefen die ersten Passen noch optimal, doch dann war plötzlich der Wurm drin. So mancher Schuss glückte nicht so wie sonst, sein Passen-Durchschnitt sackte ab. Schuld waren viele unglückliche Kleinigkeiten, die sich summierten. Zum Beispiel lief Matthias auf die langsamere Gruppe vor ihm auf und konnte diese vor der nächsten Scheibe stehen sehen. Diese Tatsache an sich ist vorteilhaft, da man so erkennen kann, ob sich auf der Scheibe eine Auflage von 60 oder 80 cm Durchmesser befindet. Um jetzt die Entfernung vom Abschusspflock zu berechnen, benutzt man eine feststehende Größe am Bogen, die die Ringe der Auflage beim Anvisieren abdeckt. Dies ergab in diesem Fall 10. Mit dem Faktor 4, der sich aus der Auflagengröße ergibt, multipliziert, hätte Matthias sicher gewusst, dass sich die Scheibe in einer Entfernung von 40 m befindet. Leider war er durch einen Pfeiler, der fast im Weg stand, für einen Moment abgelenkt und rechnete stattdessen 10 mal 3 = 30 m, was im ersten Fehlschuss endete. Hinzu kamen heftige Winde, die sich besonders auf den hügeligen Wiesen extrem negativ auswirkten. In der Annahme, dass die Kampfrichter die auf 3 Minuten pro Passe begrenzten Schießzeiten stoppen würden, beeilte Matthias sich mit dem Zielvorgang jedes Mal mehr als notwendig. Überflüssigerweise auch mehr als andere, da er im Nachhinein erfuhr, dass die Kampfrichter wegen des starken Windes die Anweisung hatten, die Zeiten nicht zu stoppen. Die Information kam leider etwas zu spät. Der unnötige Zeitdruck hatte bereits einige schlechtere Schussergebnisse zur Folge gehabt. So schloss Matthias die unbekannte Runde mit für ihn enttäuschenden 306 Ringen und dem 29. Platz von 43 Blankbogenschützen ab.
Am nächsten Tag stand Matthias viel Arbeit bevor, wenn er noch unter die besten 16 Schützen gelangen wollte. Aber er wollte den Rückstand unbedingt aufholen. Zu viel Wollen endete leider gleich beim ersten Schuss in einem "MISS" - in diesem Fall sogar mit Pfeil weg ohne Wiederfinden. Sozusagen ein Opferpfeil an den großen Pfeilgott ... Doch dieses Opfer wurde wohl nicht angenommen, denn auch an diesem Tag wollte es einfach nicht richtig klappen. Trotz einiger hervorragender Schüsse passierten Matthias immer mal wieder unnötige Fehler, wie zum Beispiel nach zwei perfekten 6er-Schüssen eine weniger perfekte 1 auf der gleichen Scheibe. Ungeachtet aller Widrigkeiten kämpfte er erbittert, arbeitete sich Platz um Platz nach vorn. Am Ende des Tages konnte er 290 Ringe verbuchen und zusammen mit dem Vortagesergebnis insgesamt 596 Ringe in die Qualifikationsrunde einbringen. Damit erreichte er den 24. Platz. Das bedeutete leider das vorzeitige Aus, denn nur die besten 16 Schützen hatten eine Chance auf eine Medaille. Obwohl Matthias mit seinem Ergebnis nicht zufrieden ist - schließlich schießt er in der Regel um die 40 bis 50 Ringe mehr -, kann er trotzdem stolz auf seine Leistung sein. Als Nummer 24 auf der Rangliste der weltbesten Feldblankbogenschützen zu stehen, ist ein wirklich beachtlicher Erfolg.


