18.06.2016
Ein Brief als letzter Gruß

Eigentlich wollten wir in dieser Zeit zusammen die Chronik des Vereins, die Hans-Helmuth so wunderbar begonnen hat, weiter schreiben und unsere Gedanken zur Veränderung der Satzung noch in diesem Jahr zu Papier bringen. Aber schon bei einem meiner ersten Krankenbesuche machtest du mir wenig Hoffnung, dass wir das noch gemeinsam schaffen werden.
 


 

Nun ist alles so gekommen wie du es mir geschildert hast. Deine Erkrankung war am Ende doch schwerwiegender. Alle deine Freunde und ich hatten gehofft du wirst es schaffen. Du überlässt uns nun den vielen Erinnerungen, von denen Jean Paul einmal gesagt hat, sie seien das einzige Paradies, aus dem der Mensch nicht vertrieben werden könne. Und es gibt so viele davon, für deine Familie, für deine Freunde, für deine Schützen in unserem Verein in Hamwarde, aber auch für alle Sportfreunde über die Grenzen von Hamwarde
 hinaus. Und für mich ganz persönlich.
 


 

Ich habe dich schon früh kennen gelernt. Schon als Kinder haben wir zusammen gespielt. Du warst immer der Große. Traurig war ich, als du mich mit deinem Fahrrad umgefahren hast und ich mir dabei ein Bein gebrochen habe. Durch Schulzeit, Beruf  und Bundeswehr hatten wir uns etwas aus den Augen verloren. Aber dann in unserem Schützenverein in den du schon 1961 eingetreten bist, haben wir über 50 Jahre zusammen viel erleben dürfen. Sei es auf den Fahrten zu unseren Freunden nach Dänemark, Norwegen, England und den Niederlanden, oder auf der Fahrt nach Bergen Enkheim sowie bei den vielen Touren zu den verschiedenen Versammlungen, Veranstaltungen und bei der Vorstandsarbeit.
 

 


Im Verein begann schon bald nach deinem Eintritt deine Erfolgsgeschichte. Zunächst wurdest du Jungschützenführer und von 1963 -1972 Jugendleiter. Von 1973-1974 warst du 1.Sportleiter und von 1975-1982 2. Vorsitzender. Auch hattest du die Ehre in unserem Verein 1963 Jungschützenkönig zu sein.
In Wiesbaden hast du dann deine Übungsleiterprüfung abgelegt  und warst eines der ersten Übungsleiter in Hamburg und Umgebung. Im Kreis Sachsenwald wurde von dir schon gleich danach eine Trainingsgruppe für Jugendliche eingerichtet. Deine Vorstandsarbeit wurde 1983 mit der Wahl zu unserem 1. Vorsitzenden gekrönt, du wurdest Nachfolger von unserem Ehrenvorsitzenden Helmut Bott. Über 30 Jahre hast du in dieser verantwortungsvollen Position, für uns, deinem Schützenverein Hamwarde, deine Freizeit geopfert und dadurch oft Familie und Geschäft hinten angestellt. Auch nach persönlich schwierigen Situationen konnten wir dich bewegen deinen Posten nicht zur Verfügung zu stellen und hast weitergemacht.
 


 

Viele der Neu –und Umbauten der Sportanlage sind unter deiner Regie und Verantwortung entstanden. Die anstehende Dachreparatur werden jetzt andere Vorstandsmitglieder verantwortlich leiten müssen. Mit deinem ausgleichenden Wesen hast du in den vielen Jahren sehr oft zwischen den beiden Säulen des Schützenwesens, dem Sport und der Tradition vermittelt, obwohl deine abwartende Haltung in der Vorstandsarbeit nicht immer allen gefallen hat. Du warst es als 1. Vorsitzender auch, der letztendlich unseren Verein in einen  Sportschützenverein und damit in die Zukunft überführt hat.
 


 

Und dann waren da deine unvergesslichen Reden. Sie waren die Krönung so mancher Familien-und Schützenfeier. Auch diese Lücke werden wir nicht schließen können. 


 


Ehrungen sind ein Ausdruck von Dankbarkeit für geleistete Arbeit und du hast verdientermaßen viele davon erfahren. Beispielhaft möchte ich die Ehrenplakette des Kreises Herzogtum Lauenburg und das Ehrenkreuz in Silber des Deutschen Schützenbundes erwähnen. Jetzt bist du nach Helmut Bott unser 2. Ehrenvorsitzender.
 


 

Lieber Wilfried, diesen Brief wirst du nun nicht mehr erhalten und lesen können. Dafür werden es andere lesen, deine Familie, deine Freunde und Schützengeschwister aus Hamwarde. Sie alle sollen wissen, dass wir dir Dank und Respekt schulden. Du bist viel zu früh von uns gegangen und wirst uns sehr fehlen und weiter in Erinnerung bleiben. Im Moment bin ich nur traurig.
 


 

Tschüß Willi, dein Norbert